Einladung zu einer Diskussionsveranstaltung im Rahmen von Innovation und Inklusion

Liebe Start ups,
liebe Freunde von „Die Zentrale Coworking“
Kompass Frankfurt – Zentrum für Existenzgründung und der Dialog im Dunklen – Verein zur Förderung der sozialen Kreativität Frankfurt laden gemeinsam mit „Die Zentrale Coworking“ zur Ideenschmiede für Start ups: „Innovation und Inklusion“ ein am
Donnerstag, 28. November 2013,
von 17.30 Uhr bis 20.30 Uhr,
Die Zentrale Coworking,
Bergerstrasse 175,
60385 Frankfurt Main
Anfahrtskizze und mehr unter http://die-zentrale-ffm.de
Eine – auch kurzfristige – Anmeldung per Mail an info@kompassfrankfurt.deist erbeten.
Es erwartet Sie eine impulsgebende Veranstaltung mit Auskunft und Anregungen zu den Themen
– Inklusion, also berufliche Teilhabe von Menschen mit einem Handicap und
wie können insbesondere Start ups davon profitieren, gemeinsam neue Produktideen oder
neue Dienstleistungen zu entwickeln.
– Was muß bei der Entwicklung von barrierefreien Apps beachtet werden?
– Oder wie integrieren Teams hörgeschädigte Kollegen besser ein?
– Oder welche Hilfsmittel fehlen heute im Alltag von sehbehinderten Menschen?
Das Projekt „Innovation und Inklusion“ möchte Fragen stellen und Antworten bieten in Form von:
• Impulsvorträgen
• einer Ideenschmiede rund um neue Produkte und Dienstleistungen
• einem Get-Together mit der Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen
Ablauf
17:30 Uhr Begrüßung und Vorstellung der Teilnehmer
17:45 UhrVorstellung Kompass Frankfurt – Zentrum für Existenzgründung
(Ellen Bommersheim, Geschäftsführung )
18:00 UhrVorstellung „Die Zentrale Coworking“
Jenny Krutzinna & Lukas Koerdt
18:15 UhrChance oder Handicap? Was ist Inklusion?
(Matthias Schäfer, Geschäftsführer Dialogmuseum)
18:30 UhrInnovation durch Inklusion am Beispiel „Barrierefreiheit von Websites“
(Dorothea Winterling)
18:45 UhrKompass Ideenschmiede
(Wolf Gunter Schlief, Kompass)
19:00 UhrAustausch und Diskussion – Moderation Ellen Bommersheim
19:30 UhrGet together bei Getränken und Snacks
Anmerkung:Wenn Sie an der Veranstaltung teilnehmen möchten und z.B. eine Höranlage, Gebärdendolmetscher etc. benötigen, teilen Sie uns dies bitte bis zum 22. November mit.
Haben Sie Fragen zu oder allgemein Interesse an dem Thema Innovation und Inklusion wenden Sie sich gern an gunter.schlief@kompassfrankfurt.de !
Wir freuen uns auf Ihr Kommen: Ellen Bommersheim (Kompass), Gunter Schlief (Kompass) und Jenny Krutzinna & Lukas Koerdt (Die Zentrale Coworking)
Das Projekt „Innovation und Inklusion“ wird unterstützt durch das Hessische Sozialministerium und den Europäischen Sozialfondsowie unseremKooperationspartner Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista) in Marburg.
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Innovation und Inklusion – Ein Projekt zur beruflichen Inklusion sinnesbehinderter Arbeitssuchender

PROJEKTSTART INKLUSION UND INNOVATION

 

 

Ein Gemeinschaftsprojekt von

 

 

Kompass – Zentrum für Existenzgründungen Frankfurt am Main gGmbH

 

Verein Dialog im Dunkeln – Verein für soziale Kreativität e. V.

 

Deutsche Blindenstudienanstalt e. V.

 

 

Wo behinderte und nichtbehinderte Menschen professionell in Teams zusammenarbeiten, liegt der Keim für eine neue Kultur der Vielfalt. 

Das Miteinander eröffnet neue Chancen, individuelle Kompetenzprofile genauer in den Fokus zu nehmen, Stärken und Schwächen mit mehr Offenheit zu begegnen und in neuem Kontext zu thematisieren, Nischen und besondere Expertisen zu erkennen, Aufgaben flexibler zu verteilen und Zuständigkeiten entsprechend besser und effizienzorientiert auszuhandeln. 

 

Die Kompass-Praxis: 

 

Cross Innovation Centres schaffen innovative Zugänge für die Entwicklung unternehmerischer Konzepte, zur Gestaltung von Arbeit und Entwicklung neuer Dienstleistungen und Produkte. 

 

Das Cross Innovation Centre bildet eine Plattform für Gründungsinteressierte, Kreative, IT – Fachleute, Unternehmen und Organisationen, die nach innovativen Lösungen suchen oder neue Geschäftsideen entwickeln möchten. 

Es schafft innovative Schnittstellen, die Menschen mit Sinnesbehinderungen, Gründerteams und Unternehmen mit dem Ziel einer chancengleichen Arbeitsmarktintegration auf Augenhöhe zusammenbringen.

 

Ungenutzte Potenziale kann sich heute kein Unternehmen mehr leisten. In unserer visuell geprägten (Wirtschafts-)Welt schließt die Wahrnehmung der Vielfalt von individuellen Potenzialen gerade in solchen Dimensionen besonders die Menschen mit Sehbehinderungen aus. Obwohl sie Dank Verwendung modernster Technik hochqualifizierte Ausbildungsgänge absolviert haben.

Es sind die Tabus in unserer Gesellschaft, die verhindern, individuelle Kompetenzprofile von Menschen mit Behinderungen genauer in den Fokus zu nehmen.

Neue Zugänge zu einem Bewusstsein über die große Bandbreite individueller Potenziale von Menschen mit Sinnesbehinderungen zu schaffen, ermöglicht die multidisziplinäre hochqualifizierte Fachlichkeit der Bildungs- und Förderzentren mit dem Schwerpunkten Hören und Sehen. Neue Zugänge zur Arbeitswelt ermöglicht das umfassende Spektrum des sozioökonomischen  Beratungsansatzes, der die individuellen Kompetenzen vor dem Hintergrund unternehmerischer Wertschöpfungsketten analysiert und identifiziert. 

 

Cross Innovation Centre bieten die richtige Plattform, um inklusionsorientierte Schnittstellen zu schaffen, Austausch und Vernetzung anzuregen und Ideenschmiede zu sein. Für die, die einen Zugang zum Arbeitsmarkt suchen, bieten sie wirtschaftsnahe Möglichkeiten, um Arbeitsmarktbedarfe auszuloten, berufliche Perspektiven zu entwickeln und individuelle Kompetenzprofile zu schärfen. 

Für Gründerteams und Unternehmen können sie einen Erfahrungsraum für die Begegnung mit sinnesbehinderten Menschen öffnen, um Zuversicht zu entwickeln, dass sie von einer Kultur der Vielfalt profitieren werden und ein möglicher Mehraufwand im Verhältnis mit dem unternehmerischen Nutzen steht.

Daher zielt das Projekt „Inklusion und Innovation“ darauf ab die Einbindung sinnesbehinderter Mitarbeiter in das Unternehmen zu verbessern, sie dort zu platzieren, wo sie dem Unternehmen in ihren eigenen Geschäftsprozessen einen Mehrwert bieten. Es soll Lösungsansätze für bestehende Hemmnisse, bei der Einstellung von Mitarbeitern mit einer Behinderung aufzeigen und die Unternehmen bei der Klärung der Finanzierung, Beschaffung und Einbindung technischer Hilfsmittel in die betriebseigenen Kommunikationsstrukturen und Datenverarbeitungssysteme, unterstützen. 

 

Das Projekt ermöglicht es, den unternehmerischen Vorteil zu erkennen und zu realisieren, 

 

dass Menschen mit Behinderungen für Arbeitsprozesse einen Mehrwert darstellen können

 

dass Vielfalt im Unternehmen Teambildungs- und Kommunikationsprozesse innerhalb der Kolleginnen und Kollegen konstruktiv gestaltet

 

Es möchte Aufgabenprofile definieren, in deren Rahmen sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Sinnesbehinderung auf Augenhöhe bewähren und profilieren, ihre Potentiale fortentwickeln und Karriere machen können.

 

Menschen mit einer Behinderung sollen unternehmensseitig als Impulsgeber wahrgenommen werden. Für die Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen und Gründungsideen, oder die Erprobung neuer Modelle der Arbeitsorganisation, können sie einen kompetenten Beitrag leisten. Es entwickelt sich eine Unternehmenskultur, die die Vielfalt der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schätzt und im unternehmerischen Wettbewerb zu nutzen versteht. 

 

Das Projekt „Inklusion und Innovation“ möchte aufgeschlossene Arbeitgeber und qualifizierte Fachkräfte mit einer Sinnesbehinderung zusammenbringen und damit neue Zugangsmöglichkeiten zum Arbeitsmarkt erschließen.

 

Wir suchen moderne Unternehmen, die daran interessiert sind durch eine inklusive Personalpolitik, ihre Wertschöpfungskette zu effektivieren und mit unserer Unterstützung eine Mitarbeiterin / einen Mitarbeiter mit einer Seh- oder Hörbehinderung im Unternehmen einzubinden.   

 

Hierfür bieten wir:

 

2 Tage Beratung

 

Zugang zum Netzwerk von Kompass

 

Check der eigenen Wertschöpfungskette unter Einbeziehung der Geschäftsprozesse

 

Ideen zur Entwicklung der eigenen Wertschöpfungskette, Geschäftsprozesse und des Corporate Shared Value

 

Erweiterung des Handlungsfeldes hinsichtlich inklusivem Personalmanagements

 

Das Besondere: die Beratung ist kostenlos.

 

Wenn Sie sich mit den oben genannten Zielen identifizieren können  und von unserer Beratung und Unterstützung profitieren möchten, sprechen Sie uns an.

Mailto: info@kompass-frankfurt.de

Das Projekt „Inklusion und Innovation“ wird gefördert durch das Hessische Sozialministerium und dem Europäischen Sozialfont. 

Kunstflug mit blindem Passagier

Kunstflug mit blinden Passagieren

 

Fliegen hat mich schon immer fasziniert und ich hatte schon lange den Wunsch, mir auch mal das Cockpit einer großen Maschine anzuschauen. Während eines Fluges gibt es durch die diversen Anschläge und Flugzeugentführungen der Vergangenheit nicht mehr die Möglichkeit, als Passagier das Cockpit zu besuchen. 

Eine Cockpitbesichtigung war auch während einer Führung durch den Frankfurter Flughafen nicht möglich.

Also blieb noch der Flugsimulator, der im Rahmen einer Firmenveranstaltung meines Arbeitgebers aufgestellt wurde. Der Pilot sah jedoch sehr schnell, dass mir ein Flugsimulator gar nichts bringen würde. „Ich zeige Ihnen mal, was Fliegen ist“, meinte er.

Ich ahnte da noch nicht, was auf mich zukommen würde. Kurze Zeit später erhielt ich eine Einladung für mich und einige andere aus meinem Team, in einer Kunstflugmaschine mitzufliegen. Ob ich das nun tatsächlich wollte, war mir zu Anfang noch nicht so richtig klar. Aber nach einigem Überlegen und der Einsicht, dass ich im Straßenverkehr gefährlicher lebe, entschloss ich mich, das Abenteuer Kunstflug mitzumachen. 

An einem Montagmorgen, Anfang September sollte die Aktion starten. Als ich morgens aufstand regnete es in Strömen und ich dachte schon, die Aktion würde ausfallen. Nach einem Telefonat war aber klar: Die Wetterprognose ist positiv und wir können starten. Das war dann auch so. Ich traf mich mit noch vier weiteren Flugbegeisterten aus meinem Team an einem kleinen Flughafen in der Nähe von Mainz. 

Zu meiner ersten Überraschung gab es hier nach der Begrüßung erstmal massenhaft belegte Brötchen. Nun hatte ich in Anbetracht dessen, was auf mich zukommen würde, an diesem Morgen sehr wenig gegessen. Allerdings meinten die Piloten, wenn der Magen nichts zu tun hat, würde uns garantiert schlecht werden. 

Neben zwei Piloten, die mit uns fliegen sollten, erwarteten uns auch zwei Fernseh-Teams. Man war gerade dabei, eine der Kunstflugmaschinen mit Kameras auszustatten. Auch sollte eine zweite Maschine mit einem Kameramann starten, der das Ganze auch aus der Luft filmen sollte. Damit hatte ich nicht gerade gerechnet und es wurde mir doch etwas mulmig vor dem Start. Zunächst konnten wir uns aber so ein Fluggerät erstmal intensiv betasten. Von den vier anderen Teilnehmern waren drei ebenfalls blind. Jede Einzelheit wurde uns erklärt und ich war mal wieder fasziniert, dass diese kleinen Flugzeuge tatsächlich in der Luft bleiben.

 

Nachdem die Maschine anhand einer Checkliste überprüft war, konnte ich einsteigen. Erst auf einen kleinen Tritt, festhalten an einem Griff am Flugzeugdach, auf die Tragfläche und rein ins Flugzeug. Dann wurde ich erstmal komplett festgeschnallt. Ich saß in einer Flugschulmaschine. D.h. ich hatte auf meiner Seite alles das, was der Pilot auch hatte. Nachdem die Tür, oder sollte man vielleicht eher Deckel sagen, geschlossen war bekam ich einen Kopfhörer mit Mikrofon, damit ich mich mit dem Piloten verständigen und auch den Flugfunk mithören konnte. 

 

Dann Motor an und nachdem die Starterlaubnis erteilt war, gab es also kein Zurück mehr. Schon beim Start konnte ich mit der Hand am Steuerknüppel und den Füßen auf den Pedalen jede Steuerbewegung des Piloten mitverfolgen. Er erklärte mir jeden Handgriff. Die zweite Maschine mit dem Kameramann startete direkt nach uns und wir flogen im Formationsflug erstmal zu einem Luftkorridor über unbewohntem Gebiet. Das Wetter war hervorragend. 

Nun ging es los. Andreas, der Pilot, beschleunigte, zog die Maschine steil nach oben und drehte das erste Looping. Erstaunlich welche Kräfte dabei auf den Körper wirken. Kaum waren wir wieder in der Waagerechten – ich überlegte mir gerade, was mein Magen zu dieser Aktion sagen würde – kam über Funk die Auskunft, dass der Kameramann das Gleiche noch einmal möchte. 

Als nächstes kam das Erlebnis der Schwerelosigkeit. Andreas ließ den Flieger fast senkrecht hochsteigen, abkippen und dann ging es für fünf Sekunden senkrecht im Sturzflug in die Tiefe. Ich schwebte tatsächlich in den Gurten, fühlte in diesem Moment kein Gewicht mehr. Die beim Abfangen der Maschine auf den Körper wirkenden Kräfte sind enorm. Man wird mit dem vierfachen des Eigengewichts in den Sitz gedrückt. Nachdem ich dieses Erlebnis etwas verdaut hatte, drehte Andreas die Maschine auf den Rücken und wir flogen ein Stück mit dem Kopf nach unten. Inzwischen war ich dermaßen voll Adrenalin, das ich noch ewig hätte weitermachen können. 

Zum Schluss durfte ich mir etwas aussuchen und meine Wahl fiel noch einmal auf das Erlebnis der Schwerelosigkeit. 

Auf dem Rückweg zum Flughafen durfte ich dann selbst den Steuerknüppel bedienen und erleben, wie die Maschine auf meine Bewegungen reagiert. Die Kameras im Flugzeug hatte ich längst vergessen

 

Nach der Landung war ich körperlich völlig fertig, aber glücklich. Das war ein außergewöhnliches Erlebnis, dass ich jederzeit wiederholen würde.

Blinde, Sehbehinderte und Hörbehinderte Interviewpartner für ein zukünftiges Projekt gesucht

Hallo zusammen,
ich arbeite derzeit im Auftrag des Hessischen Sozialministeriums an einem Projekt, im Rahmen der beruflichen Inklusion. Innerhalb von zwei Jahren sollen mindestens 15Personen mit Sinnesbehinderungen – blind, sehbehindert, Hörbehindert oder Gehörlos – nach einem neuen Konzept, in eine Anstellung einer Firma der freien Wirtschaft, in die Selbstständigkeit oder mindestens in ein Praktikum vermittelt werden.
Im Moment befinden wir uns noch in der Vorbereitungsphase. Die Projektfinanzierung ist bereits gesichert.
In diesem Zusammenhang suche ich sinnesbehinderte Interview-Partner, sich in einer unbefristeten Anstellung einer Firma der freien Wirtschaft befinden und die Probezeit bereits hinter sich haben bzw. die Selbstständig eine eigene Firma führen.

Wer hat Lust und Zeit, mir in den kommenden zwei Wochen für ein Telefoninterview zur Verfügung zu stehen?

Gebt diese Info bitte auch an Bekannte weiter.

Meine Kontaktdaten:
Matthias Schäfer
Email: kamaschaefer@facebook.com
Twitter: @blindblogger
Telefon dienstlich : 069 90 4321 76
Mobil: 0152 5377 3450
Facebook: http://www.facebook.com/kamaschaefer

Tipps zur Unterstützung blinder Menschen im Alltag

10 Tipps

10 Tipps zum richtigen Umgang mit blinden Menschen

1. Spreche so mit blinden Menschen, wie Du auch mit allen anderen Menschen sprichst. Nicht laut, denn ihr Gehör funktioniert. Direkt, nicht über die Begleitperson. Ohne Scheu, denn Worte wie „sehen“ oder „blind“ benutzen blinde Menschen selbstverständlich auch.

2. Biete blinden Menschen immer zuerst mündlich Deine Hilfe an. Wer wird schon gerne ohne Vorwarnung angefasst? Und ob man Hilfe braucht, weiß man selbst am Besten.

3. Führe einen blinden Menschen, in dem Du ihm Deinen Arm anbietest. Er wird sich an Deinem Ellbogen festhalten und Dir folgen, ohne dass Du ihm Richtungsänderungen mündlich mitteilen musst.

4. Beschreibe blinden Menschen einen Weg, als würdest Du mit ihm telefonieren: „Da“ und „dort“ liegen ihnen im Verborgenen. „Rechts“, „Links“ und hör-, riech- oder tastbare Orientierungspunkte helfen weiter.

5. Beschreibe mit Hilfe des Ziffernblattes einer Uhr, um einer blinden Person die Lage von Gegenständen zu erklären. Auf einer Landkarte (und auf einem Teller) liegt Norden bei 12 Uhr, Osten bei 3 Uhr, Süden bei 6 Uhr und Westen bei 9 Uhr.

6. Sage blinden Menschen, wo Du Dinge für sie hinstellst. „Ihr Koffer steht rechts neben der Tür“, „Auf 2 Uhr vor Ihnen steht Ihr Drink“.

7. Beschreibe Dinge oder Beobachtungen, als hätte jemand gerade nicht hingesehen. Farben, Formen, Gesichtsausdrücke…, alles produziert Bilder vor dem geistigen Auge und jede Information hilft.

8. Sieh Dir einmal einen Film mit Audiodeskription an. Sie sind häufig in der Fernsehzeitung kenntlich gemacht und im Zweikanalton zu empfangen. Darsteller, Gegenstände und Szenen werden von Sprecherinnen und Sprechern beschrieben. Du lernst, was blinde Personen mitbekommen und was ihnen erzählt werden sollte.

9. Nutze wenn möglich das Internet, um Dich schriftlich mit blinden Menschen aus zu tauschen. Auch SMS ist kein Problem. Elektronische Post können blinde Computerbesitzer ohne fremde Hilfe lesen und sie surfen im Internet. Nur Bilder erschließen sich ihnen auch hier nicht.

10. Betrachte blinde Menschen in Schule, Ausbildung und Beruf als vollwertige Kolleginnen und Kollegen. Die moderne Technik eröffnet neue Möglichkeiten des Arbeitens. Wo nötig, hilft persönliche Unterstützung.

Frei übernommen vom dvbs – Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V.
http://www.dvbs-online.de

Presseartikel über mich und meine Arbeit

erschienen im Dieburger Anzeiger in 2009

Dieser Artikel ist inzwischen drei Jahre alt. Mittlerweile bin ich Geschäftsführer im Dialogmuseum, die Kinder sind logischer Weise älter. Mein Führhund Cross genießt seine Rente bei uns und wurde als Führhund vom schwarzen Labrador Jimmy abgelöst. Sonst stimmt noch alles

Der Frankfurter Hauptbahnhof als größte Navigations-Hürde

Ein Arbeitstag im Leben des Blinden Karl Matthias Schäfer / Führungskraft und Wing-tsun-Kämpfer

(jd) „Blind dates“ hat Karl Matthias Schäfer häufig, ja täglich. Besser gesagt: immer, wenn er auf andere Menschen trifft. Denn Karl Matthias Schäfer ist blind.
„Blind date“ prangt in Brusthöhe auch als Schriftzug auf Schäfers – logischerweise in Schwarz gehaltenem – T-Shirt. Lässige, aber doch passende Arbeitskleidung für eine Führungskraft. Denn Schäfer hat eine leitende Position im Dialogmuseum in Frankfurt am Main inne, ist Stellvertreter und mehr als nur die rechte Hand von Chefin Klara Kletzka. Ein Top-Blinder also, nicht berühmt wie Andrea Bocelli oder Stevie Wonder, aber äußerst wichtig innerhalb seines Mikrokosmos’.
Doch bis Schäfer seine tägliche Arbeit in der Main-Metropole aufnehmen kann, hat ihn seine Behinderung bereits vor allerlei Aufgaben gestellt. „Wenn man blind ist, kann man trotzdem noch sehr viel machen“, verdeutlicht Schäfer von Anfang an. Jedweden Verweis auf die Blindheit als Vorwand für Lethargie, Depression oder gar Faulheit lässt der 41-Jährige nicht gelten. „Man muss viele Gedächtnisleistungen erbringen und sehr gut organisiert sein, das ist klar“, sagt Schäfer. Denn im Berufsleben interessiere es kaum jemanden, wenn man Einschränkungen habe. Aber: „Mit der richtigen Einstellung kann ein Blinder ein weitgehend normales Leben führen.“ In Schäfer gar eines, das erfüllter sein dürfte als das vieler Sehender.
Um 6.30 Uhr steht Schäfer am Bahnhof in Dieburg. Die Stadt ist Geburts- und Wohnort des Familienvaters. Richtig – Schäfer ist mit seiner Frau Brigitte verheiratet und hat mit Lukas (11) und Tobias (8) zwei kerngesunde, sehende Kinder. „Das scheint für manchen unvorstellbar zu sein“, lacht Schäfer. „Im Zug hat mich eine Frau mal ganz ungläubig auf meinen Ehering angesprochen.“ Im Museum habe ihn ein Jugendlicher – mit anderer Wortwahl – gar gefragt, wie man als Blinder denn sexuell aktiv sein könne.
Zum Dieburger Bahnhof ist Schäfer wie jeden Morgen gelaufen, etwa eine halbe Stunde lang, im Tempo eines „normalen“ Fußgängers. Immer dabei: Cross, sein neunjähriger Labrador-Retriever. 25.000 Euro kostet ein ausgebildeter Blindenhund, den Preis dafür zahlt die Krankenkasse. Die Zugfahrt von Dieburg zum Frankfurter Hauptbahnhof stellt Schäfer kaum vor Schwierigkeiten, das Navigieren dort aber ist jeden Tag wieder eine neue Herausforderung.
„Ich kann mit meinen Augen noch ein winziges bisschen erkennen, zum Beispiel sehr helle Lichtflecken von Lampen“, erklärt der intelligente, sympathische Mann. Vor allem aber orientiere er sich aber an Geräuschen, verlasse sich ansonsten auf Hund oder Blindenstock. Dennoch kommt es an diesem Morgen – im Schlepptau der OP-Autor – zu einem kleinen Zusammenstoß mit einem breit gebauten Mann, den Schäfer aus Versehen anrempelt. „Das ist mir schon lange nicht mehr passiert“, entschuldigt sich der Familienvater fast. Der Mann indes reagiert – wie beinahe jeder, dem Schäfer an diesem Tag begegnet – mit Verständnis.
Anders als die Mehrheit der 160.000 Blinden in Deutschland fehlt Schäfer das Augenlicht schon seit der Geburt. „Die meisten Menschen erblinden erst im Alter, Netzhauterkrankungen nehmen zu“, weiß der Dieburger. Als „blind“ und zugleich hundertprozentig „schwerbehindert“ gilt man hierzulande, wenn man auf beiden Augen weniger als zwei Prozent restliche Sehschärfe besitzt. „Sehbehinderte“ mit etwas weniger starkem Handicap gibt es in Deutschland rund 600.000.
Unterdessen hat es Schäfer trotz Menschenmasse und irritierenden äußeren Sinneseinflüssen wieder einmal durch den Frankfurter Hauptbahnhof geschafft – auch dank der Leitstreifen auf dem Boden – und ist samt Rüde Cross auch erfolgreich weiter mit der U-Bahn gefahren. Das Ziel Dialogmuseum nahe des Frankfurter Ostbahnhofs ist erreicht.
Im ersten Moment hat man bei Schäfers Arbeitsort die staatlich geförderte Nestwärme einer sozial orientierten Bildungseinrichtung vor Augen. Die soziale Orientierung ist da, der Rest des Eindrucks falsch: Das Dialogmuseum wurde bei den Anfangsinvestitionen einst zwar vom Landeswohlfahrtsverband unterstützt, erhält im laufenden Betrieb aber keine öffentlichen Mittel. Ausnahme bilden natürlich jene Zuwendungen, die alle Unternehmen erhalten, welche behinderte Menschen beschäftigen. Die machen beim Integrationsunternehmen Dialogmuseum rund 70 Prozent der Belegschaft aus, meist ebenfalls Blinde.
So landete auch Milos im Museum, das als Franchise-Konzept schon Nachahmer im Ausland gefunden hat. Milos kann wundersame Geschichten vom Arbeitsamt erzählen, das ihn aufgrund seiner Qualifikation im Außendienst als Gebäudeschätzer einsetzen wollte. „Obwohl in seinen Akten stand, dass er blind ist“, seufzt Schäfer. Die Dezentralisierung der Jobcenter sei daran schuld, „die Berater kennen ihre Kunden nicht mehr.“
Und das, obwohl der Schlüssel die Kommunikation ist, wie Schäfer und seine Crew es mit der Ausstellung „Dialog im Dunkeln“ betonen. Das Experiment im lichtlosen Raum soll die vorurteilsfreie Begegnung von blinden mit sehenden Menschen fördern. Unternehmen, darunter viele aktuell leider stornierende Banken, nutzen Versuche und Events im Museum gerne auch für das Team-Building.
So wie sich Schäfer auf offener Straße auf seine Sinne, seinen Hund und seinen Stock verlässt, so verlässt sich der OP-Autor bei „Dialog im Dunkeln“ auf den 41-Jährigen: Am Oberarm festgeklammert, macht er dort unsichere Schritte durch die Finsternis. Etwas lockerer wird er erst, als er sich bei einem starken Kaffee in der „Dunkel-Bar“ an der Theke festhalten kann.
Zwar muss Schäfer dabei immer wieder Handy-Anrufe entgegennehmen, koordinieren und die Führer der Gruppen – bis zu 33 Stück à acht Personen pro Tag – einteilen; doch trotzdem erklärt er seinem Gegenüber stets geduldig und nie gelangweilt die Welt der Blinden. Krasseste Feststellung bei der Rückkehr ins Helle: Im Dunkeln vergeht die Zeit wesentlich schneller. Die 75 Minuten in der „Dunkel-Bar“ kamen dem Autor vor wie eine halbe Stunde. „Das geht jedem so“, schmunzelt Schäfer.
Der Power-Mensch hat indes nicht nur in seinem Job bewiesen – mehrere Jahre wohnte er in Kassel, studierte dort das Sozialwesen und war sieben Jahre lang Heimleiter einer Seniorenwohnanlage -, dass er praktisch alles leisten kann, was ein Sehender zu tun vermag. „Ich war schon Fallschirmspringen, Segelfliegen, regelmäßig Tandem fahren und spiele Schach“, berichtet Schäfer. Ach ja, die Kampfkunst Wing-tsun erlernt er gerade außerdem. Als Dieburger ist er zudem in einer Fastnachtsgruppen und läuft in der Narren-Hochburg im Umzug mit.
Und auch wenn es so gar nicht Schäfers Art entspricht, sich zu beklagen, erwähnt er zumindest beiläufig die allgegenwärtige Geldfrage: „Die Erblindung ist eine sehr teure Behinderung.“ Alleine ein Blindenschrift-Display für den Computer, die so genannte Braillezeile, kann 10.000 Euro kosten, die Software-Kosten gehen ebenfalls rasch in die Hunderte. Da sind die 500 Euro, die Schäfer monatlich als „Nachteilsausgleich“ vom Staat erhält, schnell aufgebraucht.
Doch Karl Matthias Schäfer wäre nicht er selbst, würde er sich nicht wenig später wieder seiner Arbeit im Museum widmen. Für den Nachmittag stehen zwei Meetings an. Dann schließlich schließt er seine Bürotür. Und freut sich sicher schon auf das nächste „Blind Date“…

Die Alligator-Action-Farm – ein Ausflugsziel, dass sich auch für blinde Besucher lohnt

Gestern war ich zusammen mit meiner Familie auf der Alligator-Action-Farm in der Nähe von Friedberg. Der Krokodilzoo befindet sich auf einem großen gelände und die Tiere haben im Gegensatz zu vielen anderen Einrichtungen dieser Art sehr viel platz. Wenn man bei Tieren in Gefangenschaft von artgerechter Haltung reden kann, dann hier. Während der Führung erhält man einen sehr engagierten Vortrag über das Leben und verhalten der Tiere. Und man hat auch die Gelegenheit die Tiere anzufassen. Neben mehreren Arten von Alligatoren gibt es verschiedene Schlangenarten,
Schildkröten und andere, außergewöhnliche Tiere.
Während der Führung kann es auch passieren, dass man eine ca. zwei Meter lange Tigerpyton um den Hals gehängt bekommt. Fühlt sich toll an.

Durch den lebendigen Vortrag und die Möglichkeit, hier Tiere anzufassen, die man sonst nie berühren würde, eignet sich dieses Ausflugsziel auch besonders für blinde und sehbehinderte Besucher.
Reservieren sollte man per Telefon Die Eigentümer haben es nicht so mit dem Internet.

Mehr Informationen gibts hier

Wikipedia auch per Telefon abfragbar

Wikipedia ist als ständig verfügbares Nachschlagewerk aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Auch wenn mal gerade kein Internetzugang verfügbar ist,können trotzdem Artikel abgerufen werden. Per Telefon kann man Artikel suchen und sie durch eine synthetische Stimme vorlesen lassen. Die Suchbegriffe werden über die Telefontastatur eingegeben. Einfach mal ausprobieren unter:
0541444418880
Realisiert wird der Service Wikiphone vom Leipziger Unternehmen Phonepublisher
Hier gehts zur Infosite

Erblindung im höheren Lebensalter – Hilfen und Rehabilitation

Sehbehinderung und Erblindung
im höheren Lebensalter

von Karl Matthias Schäfer

1. Problemfeld und Definitionen

Liest oder hört man durch die Medien von sehbehinderten und blinden Menschen, so betrifft dies meistens junge Menschen, die unter Einsatz modernster technischer Hilfsmitttel im Berufsleben ihren Mann oder ihre Frau stehen. Seit Beginn der organisierten Blindenbildung vor ca. 200 Jahren galten die Bemühungen zur Rehabilitation von sehbehinderten und blinden Menschen fast ausschließlich der jungen Generation. Erst in den letzten Jahren rückte die größte Gruppe der blinden und sehbehinderten Menschen, die Senioren, in den Mittelpunkt der Bemühungen um Rehabilitation. Nach schätzungen der Blinden- und Sehbehindertenverbände erblinden 2/3 aller blinden Menschen erst nach Vollendung des 60. Lebensjahres.

Genaue Zahlen sind in diesem Bereich nicht ermittelbar,denn das Auftreten schwerer Sehbeeinträchtigungen im höheren Lebensalter wird oft als zum „normalen“ Alternsprozess zugehörig angesehen. Durch Unkenntnis von Ärzten, Angehörigen und Pflegepersonal in Seniorenheimen werden die Betroffenen und ihre Angehörigen oft nicht über mögliche Hilfen informiert.

Während Rehabilitationsangebote z. B. für Schlaganfallpatienten nahezu selbstverständlich sind, fehlt hinsichtlich entsprechender Angebote für im Alter erblindete und sehbehinderte Menschen bislang die finanzielle Grundlage und das Bewusstsein. Darüber hinaus gibt es außer in Bayern kaum flächendeckende Beratungs und Trainingsangebote.

2. Besonderheiten sehbehinderter und blinder Senioren

Die meisten stark sehbeeinträchtigten Menschen werden also in einer Lebensphase mit der Sehschädigung konfrontiert, in der die Kompensation durch die anderen Sinne nicht mehr so flexibel und in dem Maße möglich ist, wie bei von Geburt an blinden oder sehbehinderten Menschen. Zusätzliche gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie Einschränkungen des Tastsinnes durch lebenslange schwere Arbeit, altersbedingte Hörbeeinträchtigungen etc. führen zu erheblichen Einschränkungen im Alltag und erschweren die Anpassung an die Erfordernisse einer Sehbeeinträchtigung. Neben weiteren möglichen körperlichen oder Sinneseinschränkungen kann auch das soziale Umfeld der Betroffenen durch diskriminierendes Verhalten bzw. Unwissenheit bezogen auf Alter und Sehschädigung zusätzliche Probleme verursachen. So werden die Betroffenen oft als völlig hilflos bis zur Unzurechnungsfähigkeit angesehen und dementsprechend auch behandelt. Dinge werden für sie und über ihren Kopf hinweg entschieden und für sie erledigt. Sie werden völlig aus der Verantwortung für sich und ihre Familie entlassen. Kaum jemand bringt die Geduld und Zeit für präzise Beschreibungen auf, die für Blinde und Sehbehinderte notwendig sind, um sich in ihrer Umwelt zurecht finden zu können.

Geht die sehgeschädigte Person beispielsweise mit Begleitung zum Arzt, einkaufen usw. wird oft anstatt des Betroffenen die Begleitperson angesprochen: „Welche Kleidergröße hat sie?“ „Wann hat er die Beschwerden zum erstenmal gehabt?“ „Will sie sich setzen?“.

Aufgrund derart diskriminierenden Verhaltens werden selbst vor Eintritt der Behinderung sehr lebenslustige und zugängliche Menschen plötzlich mürrisch, verschlossen oder auch aggressiv.

Wie ältere sehgeschädigte Menschen den Verlauf ihrer Sehschädigung und die hierdurch entstehenden Probleme erleben und bewältigen, ist von verschiedenen Bedingungsfaktoren abhängig. Dabei spielen eine Rolle (vgl. Merte u. a. 1995, S. 580 f):

die jeweiligen Krankheitssymptome des Auges;
der Erblindungsmodus;
das Vorhandensein weiterer Beeinträchtigungen;
die Gesamtkonstitution;
die geistige Flexibilität;
das Selbstbewusstsein des Einzelnen;
das Alter;
– die Konzentrationsfähigkeit;
das Verständnis und die Akzeptanz des sozialen Umfelds;
das eigene Verständnis von Behinderung.

Aufgrund der beschriebenen Einflussfaktoren sollte bei der Unterstützung älterer Menschen zwischen dem objektiven augenärztlichen Befund und der subjektiven Sehleistung unterschieden werden. Der objektive Befund bezeichnet das medizinisch diagnostizierbare Sehvermögen. Subjektive Sehleistung bezieht sich auf das, was der Betroffene aufgrund der oben beschriebenen Einflussfaktoren durch geschicktes Ausnutzen seines verbliebenen Sehvermögens unter Einbeziehung der anderen Sinne noch anfangen kann. So fühlt sich der eine Betroffene fast blind, weil er in seiner Orientierung stark verunsichert ist, was oft Angst und Panik auslöst. Er ist unkonzentriert und kann deshalb seine verbliebenen Sinne zur Kompensation nicht optimal ausnutzen. Ein anderer, der schon immer ein gutes Orientierungsvermögen hatte, kann sich besser konzentrieren und reimt sich mit Hilfe seines Vorstellungsvermögens einiges zusammen und kann seine anderen Sinne entsprechend optimal zur Kompensation nutzen. So kann der Eindruck entstehen, dass er mit seinem verbliebenen Sehvermögen mehr anfangen kann als dies nach medizinischen Befunden möglich erscheint.

Bei einigen Augenerkrankungen beeinflusst die jeweilige Tagesform die Möglichkeiten der Ausnutzung des Sehrestes: Schwankungen der Konzentrationsfähigkeit oder unterschiedliche Lichtverhältnisse führen dazu, dass alltägliche Verrichtungen, die am Vortag noch problemlos bewältigt werden konnten, heute nicht mehr durchführbar sind, am nächsten Tag aber wieder gelingen.

Dies bereitet sehgeschädigten Menschen gerade im Zusammenleben mit ihren sehenden Mitmenschen oft Probleme, da Angehörige, Freunde etc. oft nicht verstehen können, dass die sehgeschädigte Person heute Hilfe bei Verrichtungen benötigt, die ihr gestern noch gut allein gelungen sind. Dies kann von den Angehörigen als Bequemlichkeit oder Schikane empfunden werden. Daher haben die medizinischen und gesetzlichen Definitionen von Blindheit und Sehbehinderung in der alltäglichen Arbeit mit älteren sehgeschädigten Menschen nur zweitrangige Bedeutung.

Sehr unterschiedliche Auswirkungen auf das subjektive Sehvermögen hat die Art, wie die Sehschädigung eintritt (Erblindungsmodus). Es spielt eine wesentliche Rolle, ob jemand von einer progressiven Verschlechterung der Sehfähigkeit betroffen ist, die langsam zur völligen Erblindung führt, oder ob er durch einen Unfall oder eine plötzliche Erkrankung unerwartet in seiner Sehfähigkeit stark beeinträchtigt wird.

Während im mittleren Lebensalter bei den fortschreitenden Augenerkrankungen v. a. die Retinitis Pigmentosa eine wichtige Rolle spielt, bekommt bei den älteren Menschen neben Glaukom und Katarakt, die bedingt operabel sind, die altersbedingte Makuladystrophie bzw. das Makulaödem eine immer größere Bedeutung. Sie führen – im Gegensatz zur Retinitis Pigmentosa – zwar nicht zur völligen Erblindung, verursachen im Endstadium jedoch eine gravierende Sehbeeinträchtigung.

Ist das Wissen über die fortschreitende Sehschädigung für den Einzelnen auch grausam, so liegt in solchen Fällen jedoch die Chance, sich vorab mit einigen Problemen auseinanderzusetzen. Es ist möglich, sich auf die Situation nach der völligen Erblindung einzustellen. Durch eigene Ideen und mit Unterstützung von Fachleuten können die Betroffenen individuelle Techniken zur Bewältigung alltäglicher Verrichtungen entwickeln und erlernen (Merte u. a. 1995, S.586).

Schwieriger ist die Bewältigung bei Menschen, die innerhalb weniger Tage oder Wochen von einer extremen Sehverschlechterung bis hin zur völligen Erblindung betroffen sind. Ursachen hierfür sind: Unfälle, Tumorerkrankungen im Sehnervbereich, unerwartet auftretende irreparable Netzhautablösung, Schlaganfall oder Erkrankungen, die Durchblutungsstörungen im Sehnervbereich auslösen. Diese Menschen können innerhalb weniger Tage selbst einfachste alltägliche Verrichtungen nicht mehr ohne fremde Hilfe durchführen (vgl. Merte u. a. 1995, S. 586 f).

Ein in der Öffentlichkeit wenig bekanntes Problem für Neuerblindete kann das Auftreten von „Phantombildern“ darstellen. Hierbei handelt es sich um Bilder von Menschen oder Gegenständen, die plötzlich vor dem geistigen Auge entstehen.

Menschen, die aufgrund blindheitsbedingter Isolation von solchen extremen „Tagträumen“ befallen werden, erschrecken, zweifeln an ihrem Verstand und trauen sich häufig nicht, anderen Menschen davon zu erzählen. Sowohl der Betroffene selbst als auch seine Mitmenschen können sich dieses Phänomen meist nicht erklären. Gerade alten Menschen können derartige Erscheinungen leicht als beginnende Demenz ausgelegt werden.

Senioren, die in ein Altenwohnheim oder zu Verwandten ziehen, leiden verstärkt unter räumlicher Desorientierung. Sie brauchen deshalb besonders viel geduldige Unterstützung bei der Beschreibung und Erarbeitung der wichtigsten Wege in der neuen Umgebung. In ihrer Vorstellung ist immer noch die altvertraute Umgebung verankert, in der sie sich bis zu ihrem Umzug aufgehalten haben.
Für jeden neuerblindeten Menschen ist es schon schwer, sich in den eigenen vier Wänden wieder orientieren zu können. Man kann sich also vorstellen, welche Mühe, Zeit und Konzentration es kostet, sich in einer fremden Umgebung wenigstens einige ganz grundlegende Orientierungspunkte zu erarbeiten. Mitunter haben die Betroffenen auch das Gefühl, dass sie plötzlich schlechter sehen können, da sie in der fremden Umgebung größere Orientierungsprobleme haben.

Angehörige, Berater, Ärzte und Pflegepersonal sollten nie das Sehvermögen von sehbeeinträchtigten alten Menschen beurteilen oder vergleichen, bevor sie ausreichende Informationen über das Krankheitsbild und die Lebensumstände der späterblindeten Person haben; wichtig ist eine genaue Kenntnis der Vorgeschichte und der Krankheitssymptome.
Daraus kann eine relativ realistische Einschätzung der Möglichkeiten und Grenzen des Betroffenen gewonnen werden.

3. Schlussfolgerungen

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass sehgeschädigten Senioren die gleichen Rehabilitationsangebote zur Verfügung stehen müssen wie jungen sehgeschädigten Menschen. Allerdings müssen Angebote wie Sehresttraining, Orientierungs und Mobilitätstraining (O&M) und Training lebenspraktischer Fertigkeiten (LPF) noch mehr als bei jüngeren Rehabilitanden auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden. Entsprechende Hilfsmittel sollten bezüglich ihrer Bedienbarkeit so ausgewählt werden, dass auch ältere Menschen, die nicht mehr bereit oder in der Lage sind, sich mit technischen Neuerungen auseinanderzusetzen, diese Geräte bedienen können. Zu berücksichtigen sind vor allem zusätzliche Behinderungen und der Umstand, dass viele ältere Menschen und besonders Hochbetagte – nicht mehr so flexibel sind und nicht mehr in dem Umfang lernen können oder wollen wie jüngere Menschen.

Umfassende Rehabilitationsmaßnahmen für Blinde und Sehbehinderte, die als Hauptelemente ein Orientierungs- und Mobilitätstraining und das Training lebenspraktischer Fertigkeiten enthalten, sollten in jedem Fall nur von ausgebildeten Fachkräften durchgeführt werden.
Am Anfang sollte grundsätzlich eine kompetente Sehrestberatung durchgeführt werden, bei der überprüft wird, wie durch den Einsatz von Sehhilfen (Monokulare, Lupen, Bildschirm-Lesegeräte etc.), dem Betroffenen der Alltag erleichtert werden kann.

4. Praktische Tipps

Im Folgenden möchte ich einige Möglichkeiten beschreiben, die sehbehinderten und blinden Senioren sowohl bei häuslicher Pflege als auch im Altenwohnheim den Alltag erleichtern können. Sie sind als „erste Hilfe“ zu verstehen und machen Rat und Unterstützung durch Fachleute nicht entbehrlich.

4.1. Rechtliche Aspekte

Auch und gerade ältere Menschen sollten die Rechte, die blinde und sehbehinderte Personen haben, wahrnehmen und ausschöpfen. Wenn sie behinderungsbedingt nicht dazu in der Lage sind, Behördengänge auszuführen oder Anträge auszufüllen, sollten Angehörige und Pflegepersonen sie dazu ermutigen und ihnen die notwendige Hilfestellung leisten. Von der Beantragung des Schwerbehindertenausweises über Landeshilfe für Blinde und Sehbehinderte und das Pflegegeld bis zur Steuerermäßigung, die auch von Angehörigen geltend gemacht werden kann, bietet unsere Gesellschaft zahlreiche Hilfen, die zur erfolgreichen Lebensbewältigung trotz Sehschädigung beitragen können. Rat und Hilfe erhalten die Betroffenen und ihre Angehörigen bei den Blinden- und Sehbehindertenvereinen sowie bei Beratungsstellen für Behinderte

4.2 Orientierung und Mobilität

Auch bekannte Räumlichkeiten müssen neu erarbeitet werden. Es ist wichtig, dass auffällige Gegenstände und Möbel, die für den Betroffenen leicht zu ertasten sind, immer an der gleichen Stelle vorgefunden werden. Um zu lernen, sich in einem Raum zu orientieren, muss eine neuerblindete Person an den Wänden bzw. an den Möbeln entlang gehen. Dabei sollte viel Zeit darauf verwendet werden, die Gegenstände abzutasten und zu identifizieren, um sich danach an die Reihenfolge zu erinnern. Beispiel: („das ist der Fernsehsessel, danach muss also der Wohnzimmerschrank kommen!“).

Sind mehrere gleichartige Türen im Raum, sollte man sie verschieden kennzeichnen die wichtigste erhält z.B. ein an der Klinke befestigtes Tuch, ein Glöckchen oder gut fühlbare Klebestreifen.

Bei Menschen mit extremen Orientierungsdefiziten sollten Kopf- und Fußende des Bettes unterschiedlich gekennzeichnet und, wenn möglich, wenigstens der Weg zur Toilette erarbeitet werden. Bei Bedarf sollte ein gut tastbarer Handlauf an den Wänden im Flur angebracht werden.
Dies kann auch in Form einer dicken Schnur oder eines deutlich fühlbaren Klebestreifens geschehen. Derart wichtige Wege müssen frei von Hindernissen wie Möbeln und anderen Gegenständen sein.

Der Betroffene sollte ermutigt werden, sich zumindest innerhalb seines Wohnbereiches möglichst frei zu bewegen. Beim Gehen entlang einer Wand tastet die blinde Person mit dem Knöchel der der Wand zugewandten Hand etwas voraus. Ist die Wand rauh verputzt, hält man mit der Oberfläche der Fingernägel Kontakt zur Wand, um Hautabschürfungen zu vermeiden. Ist der Betroffene zu Beginn unsicher, unterstützt man ihn durch leichtes Halten am anderen Arm oder reicht ihm einen Stützstock.

Wird eine blinde Person geführt, so fasst sie ihre Begleitperson am Ellenbogen an oder hängt sich ein. Der Geführte ist so immer einen halben Schritt hinter dem Führenden. Der Führende sollte die blinde Person nie vor sich her schieben, da dies zu Verunsicherung führt.

Beim Bücken sollte der Oberkörper nicht mit dem Kopf voran gebeugt werden. Wenn der ältere Mensch noch dazu in der Lage ist, sollte er dazu in die Hocke gehen; beim Aufstehen hält man eine Hand vor die Stirn, um Verletzungen zu vermeiden. Beim Durchqueren eines Zimmers hält die sehgeschädigte Person einen Arm quer vor den Körper, um nicht unerwartet an Tische, Stühle oder andere Einrichtungsgegenstände zu stoßen. Ist mit offenen Fenstern oder Schranktüren zu rechnen, wird ein Arm quer vor die Stirn gehalten.

4.3 Kommunikation

Kommt man zu einem blinden Menschen ins Zimmer, sollte man stets seinen Namen nennen. Verlässt man den Raum oder ist vorübergehend nicht ansprechbar, sollte man es ebenfalls ankündigen. Lässt man einen erblindeten Menschen unterwegs einen Moment alleine, ist darauf zu achten, ihm einen Anhaltspunkt, z. B. einen Tisch, ein Geländer o. ä. zu zeigen.

4.4 Lebenspraktische Fähigkeiten

Um der erblindeten Person zu beschreiben, wo sich welches Nahrungsmittel auf einem Teller befindet, stellt man sich den Teller in Form des Ziffernblattes einer Uhr vor. So kann man z.B. genau beschreiben: Das Fleisch befindet sich unten, zwischen sechs und acht Uhr, das Gemüse liegt zwischen zehn und zwölf Uhr, usw. Die neuerblindete Person sollte dazu ermutigt werden, weiter zwei Besteckteile zu verwenden. Hierbei können auch ungewöhnliche Methoden wie z. B. das Essen mit Gabel und Löffel praktiziert werden. Weiche Gerichte, wie Sahnetorte kann man z. B. auch mit Kuchengabel in der einen und Teelöffel in der anderen Hand essen. Der Kuchen wird dabei mit dem Teelöffel auf die Gabel geschoben. Sind Einschränkungen der Feinmotorik vorhanden, kann auch der Zeigefinger einer Hand zu Hilfe genommen werden.

4.5 Hilfsmittel

Zur Zeit gibt es nur wenige Blindenhilfsmittel, die die Bedürfnisse gerade von im Alter erblindeten Menschen erfüllen. Die einschlägigen Artikel sind überwiegend für jüngere Menschen mit gutem Tastvermögen entwickelt. Eines der wichtigsten Hilfsmittel für den Alltag sind sprechende Uhren, die inzwischen recht preiswert in einigen Kaufhäusern angeboten werden. Auch sprechende Küchen- oder Personenwagen, Fieberthermometer, Blutzuckermessgeräte, elektronische Tropfenzähler zur Medikamentendosierung, Handys mit extra großen Tasten, Großtastentelefone, elektronische Vergrößerungshilfen und vieles mehr sind bei Hilfsmittelverkaufsstellen für Sehgeschädigte erhältlich. Dort werden auch tastbare Klebepunkte, mit denen z.B. die Skalen von Mikrowellenherden und anderen Geräten gekennzeichnet werden können, verkauft. Als weitere wichtige Hilfsmittel sind Telefone mit extragroßen Tasten, die in jedem Telefonladen erhältlich sind, zu nennen.

Wenn der Betroffene noch in der Lage ist, einen Cd-Playerzu bedienen, oder dies zu erlernen, ist ein Diktiergerät zum Aufsprechen von Notizen sinnvoll. Ebenso kann die Mitgliedschaft in einer Blindenhörbücherei, die blinde Menschen kostenlos mit Hörbüchernoder Zeitschriften beliefern, empfohlen werden.

Die in diesem Beitrag aufgeführten Unterstützungsmaßnahmen und Hilfsmittel für im höheren Alter erblindete Menschen stellen nur einen kleinen Teil der vorhandenen Möglichkeiten dar. In jedem Fall sollte Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe am Ort oder zu einer entsprechenden Beratungsstelle für Blinde und Sehbehinderte aufgenommen werden.

Die Blinden- und sehbehindertenverbände haben eine bundesweit erreichbare Rufnummer eingerichtet, über die blinde und sehbehinderte Menschen, so wie deren Angehörige mit den notwendigen Informationen versorgt werden.

tel: 01805 666 456

Eine Vielzahl von wichtigen Informationen stellt der deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) auf seiner Website bereit.
<a href="http://Hier gehts zum Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband

Fragen können auch direkt an mich gestellt werden unter:
DBSV kontakt@kmschaefer.de

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